Peter Maria Gabriel Christen
Kirchstrasse 12 8344 Bäretswil 078 736 12 04 peter.maria.gabriel.christen@gmx.ch
Frau
Corinne Mauch
Stadtpräsidentin
Stadthaus
8001 Zürich
8344 Bäretswil, 21.3.2012
Haltung des Stadtrates gegenüber der occupy-Bewegung
Sehr geehrte Frau Mauch
Ich bin Zürcher Stadtbürger und war am letzten Samstag, den 17. Mai mit dabei, als die occupy-Bewegung ihre Zelte auf der Ganymed-Terrasse am Bürkliplatz aufstellen wollte. Dort war ich mit dem diensthabenden Offizier der Stadtpolizei konfrontiert, der mir mitteilte, dass er die Weisung habe, die occupy-Bewegung nirgends auf öffentlichem Grund auf dem Gebiet der Stadt Zürich ihre Zelte aufschlagen zu lassen. Wir müssten einen privaten Grundeigentümer finden, der uns Erlaubnis erteile. Wo immer wir in der Stadt hingehen würden, wären sie auch anwesend. Er habe 100 Mann in Bereitschaft im Hintergrund und sie würden diese Anweisung unbedingt durchsetzen.
Dass dem so war, bewahrheitete sich 45 Minuten später, als die Frist, die er uns zur Räumung und Auflösung der Kundgebung gab, abgelaufen war. Das Aufgebot war beeindruckend. Die Stadt Zürich hat offensichtlich keinen Aufwand gescheut. Die Montur der Polizeibeamten war auf dem modernsten Stand, in matt glänzendem Schwarz, jene Schlichtheit ausstrahlend, die hunderttausende kostet. Alle waren sie bis zu den Zähnen bewaffnet mit, wie ich erfuhr, „Mulitfunktionsgewehren“, die direkt verbunden waren mit elegant flachen Munitionsrucksäcken die Tränengas und Gummigeschosse beinhalteten. Die bedingungslose Härte, die mir da entgegenschlug, die Demonstration von Macht und der Willen zur unbedingten Durchsetzung von Befehlen, wenn nötig auch unmenschlichen und mit Gewalt, machte mich sprachlos.
Man orientierte uns, dass alle Personen, die sich nach Ablauf der Frist noch auf der Terrasse befänden, kontrolliert und weg gewiesen würden. Sie müssten bei Weigerung mit einer Anzeige und einem Rayonverbot rechnen. Dass jeglicher Widerstand zu einer Verhaftung führe, brauchte er gar zu sagen. Es wäre auch völlig unverhältnismässig gewesen, denn alle Anwesenden waren friedlich, suchten das Gespräch mit den Beamten oder verliessen ruhig das Gelände.
Es handelte sich dabei um dreissig, höchstens vierzig Aktivistinnen und Aktivisten, die sich absolut friedfertig verhielten. Das Aufgebot der Stadtpolizei mit 100 bis zu den Zähnen bewaffneten Einsatzkräften war total überdimensioniert und ich konnte mich dem unguten Gefühl nicht erwehren, mit einer totalitären Übermacht konfrontiert zu sein, vor der man sich entweder duckt oder erzürnt aufbegehrt. Ich habe mich in dem Moment, wie alle Aktivistinnen und Aktivisten geduckt. Der Zorn kam erst am nächsten Tag, und hat sich nun zu einer Entschlossenheit gewandelt, alles in meiner Macht stehende zu tun, diese Situation zu verändern.
Ich frage mich, warum eine demokratische Regierung zu solch krassen, totalitär anmutenden Methoden greift, und ob dies tatsächlich der Wille des Volkes ist, der mir in dieser Form entgegenkommt.
Darum entschloss ich mich, mit der Standpolizei Zürich Kontakt aufzunehmen, um herauszufinden, wer diese Weisung so formuliert hat, wie ich sie erfahren habe. Ich habe Herrn Marco Cortesi, der sich der Aargauer Zeitung gegenüber geäussert hatte: «Es gibt kein zweites Occupy auf öffentlichem Grund: keine unbewilligten Demos und kein neues Camp. Daran hat sich nichts geändert.» angerufen und ihn gefragt, wer diese Weisung so formuliert habe. Er verwies darauf, dass die Stadtpolizei nur ausführendes Organ sei, Politische Entscheide treffe das Polizeidepartement.
Herr Casanova, an den er mich verwies, meinte, dass dieser Entscheid von Herrn Leupi in Zusammenarbeit mit dem Gesamtstadtrat zu Stande gekommen sei in einer Nachbehandlung der Besetzung des Lindenhofs durch die occupy-Bewegung. Er hat mir empfohlen, mich direkt an Sie zu wenden und zwar schriftlich, was ich hiermit tue.
Zuerst möchte ich Sie fragen, ob die Handlungsweise der Stadtpolizei und die Weisung, wie sie Herr Cortesi der Aargauer-Zeitung vermittelte, eine Interpretation des Ergebnisses der Nachbehandlungssitzung sind, oder ob dies genau so, mit dieser Härte und Konsequenz im Stadtrat beschlossen wurde.
Sollte es zutreffen, dass die Weisung wörtlich übernommen und die Schärfe der Durchführung nicht einen Interpretationsspielraum in Richtung Härte ausgenutzt hat, möchte ich den Stadtrat dringend bitten, auf dieses Thema zurückzukommen.
Herr Cortesi hat am Telefon argumentiert, dass eine Behandlung aller Gruppierungen, die öffentlichen Raum nutzen wollen, gleich sein müsse. Dieses Argument lasse ich in Bezug auf die occupy-Bewegung nicht gelten. Die occupy-Bewegung ist nicht irgendeine Gruppierung. Sie ist Ausdruck der Empörung der Menschen über das herrschende System. Sie ist Kritik am herrschenden System und genau dieses System unterdrückt neuerdings seine Kritiker mit einer unangemessenen Machtdemonstration, mit Gewalt- Bussen- und Haftandrohungen. Der Unterschied zu einem totalitären System, das ein Aufbegehren seiner Untertanen gewaltsam niederschlägt, ist nicht mehr gross.
Wo bleibt hier die Demokratie? Wo ist die uns Schweizern so teure Meinungs- Rede- und Versammlungsfreiheit? Ist es der Wille des Volkes, dass der Staat mit solcher Härte gegen friedliche Menschen vorgeht, die sich empören über Ungerechtigkeiten und denen es am Herzen liegt, neue Wege zu finden, gemeinsam in einem sorgfältigen Prozess Vorstellungen zu entwickeln, wie die Welt unserer Kinder einmal aussehen soll?
Ich bin mir bewusst, dass Sie mit ihrem Vorgehen international gesehen nicht alleine dastehen. Aber gerade das ist für mich beängstigend. Die Niederschlagung der occupy-Bewegung in den Vereinigten- und anderen Staaten, auch auf unserem Kontinent, erschreckt mich. Ist die Globalisierung bereits so weit fortgeschritten, dass beinahe weltweit unter den Herrschenden entschlossene Einigkeit herrscht, jede Kritik, jeden Widerstand, jedes Andersdenken, jedes Aufbegehren und in Frage stellen schon im Keim kriminalisiert und erstickt werden muss?
Der Hinweis der Stadtpolizei, wir müssten halt einen Privatgrundbesitzer finden, der uns auf seinem Eigentum duldet, klingt in meinen Ohren zynisch. Unsere Kritik gilt ja unter anderem gerade der masslosen Privatisierung, der Anhäufung von Vermögen, zu dem auch der Besitz und die Spekulation mit Grund und Boden gehört. Warum sollte ausgerechnet so jemand uns beherbergen, fördern?
Meines Erachtens ist es Aufgabe des Staates, hier namentlich des Stadtrates, Räume freizuhalten für jene, die nicht (oder nicht mehr) zu den Besitzenden gehören, damit darin etwas Neues entstehen kann, das menschenwürdigere Formen des Zusammenlebens entwickeln möchte, das in Einklang mit unserer Erde gedeiht, und nicht gegen sie, und schlussendlich gegen die Menschheit gerichtet ist.
Natürlich kommt dabei auch Kritik an den herrschenden Verhältnissen auf. Auch an der heute üblichen Politik. Doch sollte ein politisches System, das sich demokratisch nennt, auch kritikfähig sein, sich der konstruktiven Kritik stellen und den Dialog suchen und nicht einfach rigide verneinen und ruhigstellen.
Deshalb bitte ich Sie und damit den Gesamtstadtrat ihre Haltung der occupy-Bewegung gegenüber noch einmal zu überdenken und zu diskutieren. Dabei berücksichtigen Sie bitte, dass sich die Bewegung nicht „bewilligen“ lassen will, das wäre unsinnig. Bewilligung braucht jemand, der untergeben ist und damit unfrei. Ich erwarte als unbescholtener, anständiger Schweizer Bürger, der seinen Pflichten ein Leben lang nachgekommen ist, dass der Stadtrat die occupy-Bewegung akzeptiert, ernst nimmt und zumindest toleriert.
Ich schlage vor, dass für den Verbleib auf öffentlichem Grund nicht eine Bewilligung ausgesprochen wird, sondern eine Toleranzerklärung verfasst, die der Bewegung das Recht zugesteht, einen angemessenen Raum auf öffentlichem Grund zu besetzen (daher der Name occupy) um da ein Begegnungs- und Arbeitszentrum zu unterhalten.
Dasselbe gilt für die Aktionen und Demonstrationen. Die occupy-Bewegung Zürich hat hinlänglich bewiesen, dass sie friedlich und gewaltfrei ist. Es braucht keinen Polizeieinsatz um Menschen oder Eigentum zu schützen, wenn wir unterwegs sind oder uns irgendwo niederlassen. Niemand braucht sich bedroht zu fühlen durch unsere friedlichen, kreativen Aktionen, deshalb begreife ich auch die massiven Polizeiaufgebote nicht, sie kosten die Stadt nur unnötig Geld. Sie bringen mich lediglich auf die Idee zu fragen, was denn hier beschützt werden soll. Etwa genau dies, wogegen wir uns empören und was wir in Frage stellen?
Zürich ist eine reformierte Stadt. Es entspricht durchaus dem zwinglianischen Geist, Missstände aufzudecken, neue, aufgeklärte Wege des Zusammenlebens zu finden. Und es ist in meinen Augen auch der Unabhängigkeitswillen der Helvetier, die nach neuen Staatsformen gesucht haben, denen die Occupy-Bewegung alle Ehre macht.
In diesem Sinne bitte ich Sie, Ihre Haltung im Stadtparlament noch einmal zu überdenken. Gerne stehe ich für ein persönliches Gespräch zur Verfügung und wünsche mir auch eine Anhörung im Stadtparlament.
Mit freundlichen Grüssen
Peter Maria Gabriel Christen
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23. März 2012 um 09:39 Uhr
Hallo Peter Maria Gabriel Christen
Dieser Brief ist sehr sorgfältig formuliert. Er bringt es zu Wege die fast nicht mehr mit Worten zu beschreibende Ommacht, die viele fühlen, in exakte Worte zu fassen. Ich bin daher sehr gespannt auf die Antwort. Falls sich der Antwortende wirklich mit dem Geschriebenen auseinandersetzt, wird es keine einfache Antwort geben. Ich bin sehr gespannt auf die Anwort.
Ich habe mir erlaubt auf meinem Blog einen Link auf diesen Brief zu setzen.
liebe Grüsse
patrick
patrick
23. März 2012 um 14:30 Uhr
super brief peter, wieder mal 1A formuliert. bin so froh dass du das überno hesch. ich hoff etz mal es klappt mit grüenstadt züri…
bisd hoffentli morn ade demo oder gli im camp. am sunntig am 14.00 –> inhaltsvv, wird sicher total spannend.
liebsunnigi grüess usem camp, m
24. März 2012 um 01:27 Uhr
Lieber Peter
finde deinen Brief gut und bin gespannt auf die Antwort. Bin vor allem mit dir einverstanden, dass die Verhältnismässigkeit nicht gegeben war. Ich möchte allerdings bezüglich dem Sonderstatus von Occupy (wir sind nicht irgendeine Gruppierung) eine Frage aufwerfen. Mobilisiert Occupy Tausende oder Zehntausende gebe ich dir recht. Handelt es sich aber um im besten Fall ein paar Dutzend Aktivisten wie an jenem besagten Samstag, so wird Occupy halt vermutlich als Gruppierung wahrgenommen. Finde ich persönlich nachvollziehbar. Ich habe diese Woche auch ein Telefon getätigt mit einer verantwortlichen Person bei der Stadtpolizei und mir sagen lassen die politische Relevanz sei nicht gegeben, wenn es sich nur um so wenige Empörte handle. Weiter sei mit ein Grund, dass jetzt kein Camp in der Innenstadt geduldet werde all die unbewilligten Demos der letzten Wochen und Monate. Davon kann man halten, was man will und deine Argumentation bezüglich bewilligen lassen, ist einerseits nachvollziehbar. Was Occupy aber durch diese Weigerung vermutlich nicht geglückt ist, ist eine Beziehung zu den Verantwortlichen der Stadt aufzubauen. Occupy hatte und hat ja durchaus Goodwill bei der Stadt Zürich, respektive bei einzelnen Verantwortlichen. Beziehungen sind aber halt immer ein Geben und Nehmen und wenn die Stadt den Wunsch hat, dass Occupy sich Anlässe genehmigen lässt und Occupy dies tut, dann ist dies der Beziehung förderlich. Es kann eine Vertrauensbasis entstehen. Wenn man sich entscheidet dies nicht zu tun, leidet diese Beziehung. Dies sind die Konsequenzen aus dem eigenen Handeln und verschiedentlich haben Leute an Vollversammlung auch darauf hingewiesen, dass dies eintreten könnte (vielleicht nicht mit exakt diesen Worten). Man kann durchaus trotzdem keine Bewilligungen einholen. Aber man sollte sich meiner Meinung nach dann auch nicht zu sehr wundern über die etwas “abgekühle” Beziehung.
24. März 2012 um 15:42 Uhr
Eine weiterführende These zu meinem letzten Kommentar geht folgendermassen: Es gibt momentan bei einer Institution wie der Stadtpolizei verschiedene Kräfte, die wirken. Zu den alten muss ich nicht viel sagen. Diese sind wohl bekannt, gerade in Zürich. Wer sich etwas auseinandersetzt weiss, dass die Polizei vielfach mit Gewalt und Gewaltandrohungen operiert hat in den letzten Jahrzehnten. Es gibt aber bei der Polizei auch andere Kräfte, die Occupy wohlgesonnen sind. Dies wurde von verschiedenen Personen, die bei der Polizei angestellt sind, auch immer wieder gesagt uns gegenüber. Es ist auch naheliegend, da die Anliegen und Forderungen von Occupy naheliegend sind und mindestens ein Teil der Angestellten der Polizei diese nachvollziehen können und vielleicht auch selber, wenn nicht gerade empört, dann doch beunruhigt sind. Auch sie sind 99 Prozent. Diese verschiedenen Kräfte sind nun vielleicht nicht gerade in einem Kampf. Aber es ist doch so, dass sich mal die einen, mal die anderen durchsetzen. Es gibt zwei Faktoren, die es den uns wohlgesonnenen Kräften einfacher machen (ich habe es bereits in meinem letzten Kommentar angetönt). Wenn wir viele sind, ist es einfacher für diese Kräfte um für uns zu argumentieren. Und auch einfacher ist es für diese Kräfte, wenn wir in Kontakt und in einer Beziehung sind mit ihnen. Und den Kompromiss eingehen würden und Bewilligungen einholen. Sie können dann besser argumentieren, dass Occupy gute und konstruktive Anliegen hat.
Nun aber noch ein möglicher Schluss aus dieser These bezüglich Occupy: Wir fordern zwar den Wandel und die Veränderung. Aber nicht alle bei Occupy glauben daran, dass dieser bei staatlichen Institutionen, bei der Polizei, bei grossen Firmen, bei den Medien, bei den Reichen, bei dem einen Prozent tatsächlich geschehen könnte. Sie würden es vielleicht sogar dann noch nicht glauben, wenn dieser Wandel tatsächlich passieren würde. Weil sie ja nicht in Kontakt sind mit diesen Kräften, zu wenig Zeitung lesen, sich zurückgezogen haben in ihr eigenes Umfeld. Und sie würden es vielleicht auch in einem persönlichen Kontakt nicht glauben weil sie dem misstrauen. Dies trifft aber sicher nicht für Occupy im Allgemeinen zu, sondern nur für Einzelne. Aber wir sollten diesbezüglich vielleicht selbstkritischer sein und uns fragen, ob wir den Wandel tatsächlich für möglich halten. Und bereit sind die bisherigen Feindbilder zu hintenfragen und Dualitäten zu überwinden.
24. März 2012 um 20:55 Uhr
Ich unterstütze occupy inhaltlich und wünsche mir, dass wir gute taugliche demokratische Wege finden mit den Politikern und der Polizei-in unserer Schweiz, die Gegenwart- aus der Vergangenheit heraus, in der wir viel Schuld eingefahren haben durch unser Bankensystem-endlich neu zu definieren! in einen offenen Umgang mit der Jetztzeit.
Ich verurteile jegliche Verdrängungstaktiken.
Ich weile für längere Zeit in der EU, und spüre hier, unser Ausruhen in Vergangenem ist A B G E L A U F E N .
Ich will nicht länger in einem Land leben, das schlafen tut, wegdrückt, verdrängt, sich selbst ein x fuer ein u vormacht.
25. März 2012 um 11:48 Uhr
Lieber Manuel
Du bringst es auf den Punkt. Wir haben es mit unseren unbewilligten Aktionen und Demonstrationen mit der Polizei und dem Stadtrat “verdorben”. So wie unmündige Kinder es sich mit ihren Eltern “verderben”, wenn sie nicht brav sind und Dinge tun oder sagen, die den Eltern missfallen. Dinge, die die Eltern nicht “bewilligt” haben.
Für mich stellt sich hier die Frage der Identität der occupy-Bewegung:
A: Sind wir Teil unseres Systems, dann müssen wir uns an die “Spielregeln”, halten und jeden unserer Schritte zuerst bewilligen lassen, oder zumindest, wie das gute und brave Kinder tun, abschätzen, ob das so “drin liegt” was wir tun oder sagen wollen, wenn wir es mit der herrschenden Macht nicht “verderben”wollen. oder
B: sind wir erwachsene, eigenständige, freie Menschen, die das herrschende System kritisieren. Menschen, die sich empören über die herrschenden Verhältnisse und ihre Auswüchse, Ungerechtigkeiten und Rücksichtslosigkeiten der Menschheit und der Umwelt gegenüber.
Wir haben uns schon an der ersten Vorbereitungssitzung am 10. Oktober 2011 in der VV entschieden, für die erste Kundgebung keine Bewilligung einzuholen, das heisst, sie war unbewilligt, und sie war friedlich, wie wir dies auch an der Vorbereitungssitzung im Konsens beschlossen hatten.
Die Forderung der Herrschenden, nur “bewilligte” Dinge zu tun, ist der Versuch, sich aufkommende Kritik und deren Erscheinungsformen “einzuverleiben”, sie zu einem Teil ihres Herrschaftssystems zu machen, zu einem kontrollierbaren Teil.
Ich persönlich stelle mich deutlich ausserhalb dieses Systems, wenn ich im Rahmen der occupy-Bewegung agiere. Ich nehme so etwas wie eine Vogelschau ein. Eine Fliege, die in ein Bierglas gefallen ist und vor verzweifeltem Überlebenswillen Schaum schlägt, sieht nur diesen Schaum. Gelingt es ihr, dem Schaum zu entkommen und sich auf den Rand des Bierglases zu setzen, wird sie sehen, dass es sich um ein halbvolles Bierglas handelt, und dass es nicht die ganze Wirklichkeit war, Schaum zu schlagen.
Ich werde uverdrossen friedfertig und gewaltfrei meine Meinung und meine Kritik äussern und weiterhin an Aktionen teilnehmen, die “nicht bewilligt” sind. Und wenn mir der Staat (denn den behaupten ja die Polizeikräfte zu vertreten) mit Gewaltandrohungen in Form von doppelt so vielen bis an die Zähne bewaffneten Polizisten wie Demonstranten, entgegentritt, werde ich erst recht protestieren und meine Stimme erheben.
Auch wenn wir im Moment nur noch wenige sind. Es braucht uns – jetzt dringender denn je. Eingeschüchterte Menschen gibt es genug. Vielleicht macht unsere Existenz dem Einen oder der Andren Mut, auch den Mund aufzumachen und sich uns anzuschliessen. Wer weiss was in nächster Zeit mit unserem System passiert. Es kracht ja schon sehr laut im Gebälk, und occupy ist, wie man das auch der internationalen Presse entnimmt, eindeutig eine Gegenposition gegen dieses Machtgefüge, dessen Balken sich immer bedenkliker durchbiegen.
Ich bin der Occupybewegung mit Herz, Hand und Verstand zugetan und ich bin dankbar dafür, all den Menschen zu begegnen, die sich darin engagieren. Occupy ist für mich eine starke Hoffnung und eine grosse Freude.
25. März 2012 um 10:50 Uhr
Lieber Manuel
Deine Aussagen beruhen auf den Grundsätzen des Patriarchat.
Ich weiss, es ist schwierig sich davon zu befreien, aber man sollte es zumindest immer wieder versuchen und dann erledigt sich auch die ewige Diskussion um Bewilligung oder nicht.
Und betreffend der Menge Menschen. Ghandi gab es auch nicht in tausendfacher Ausführung … alles hat mal klein begonnen. Hätte Ghandi sich an die Regeln der Gesellschaft gehalten und hätte er daran gezweifelt dass er im Recht ist, er hätte nichts erreicht!
25. März 2012 um 11:02 Uhr
>> Deine Aussagen beruhen auf den Grundsätzen des Patriarchat.
Kannst du es genauer erklären?
25. März 2012 um 21:37 Uhr
Also bitte.. wenn man behauptet, 99% der Bevölkerung zu vertreten, dass brauchts schon ein paar mehr Leute. Vergleich dich nicht mit Ghandi. Und dieses “wir sind so viel spezieller als die anderen”-Getue ist einfach nur egoistisch. Jede Grupierung denkt doch, dass sie die speziellste ist.