8. May 2012
by christian
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Peter Sutter
Wiedenstrasse 32
9470 Buchs
Tel 081 756 45 45
peter.sutter@catv.rol.ch
Stadt Zürich IG Rote Fabrik
Präsidialdepartement Seestrasse 395
Stadthaus 8038 Zürich
8001 Zürich
Occupy-Camp bei der Roten Fabrik Zürich
Sehr geehrte Damen und Herren
Zunächst kurz zu meiner Person: Ich bin seit 38 Jahren als Oberstufenlehrer in Buchs SG
tätig, bin Mitglied der SP, war in meiner Wohngemeinde acht Jahre lang als Gemeinderat und
im Kanton St. Gallen zwei Jahre lang als Kantonsrat aktiv. Im September 2011 habe ich das
Buch „Zeit für eine andere Welt“ veröffentlicht, in dem ich das kapitalistische
Wirtschaftssystem kritisch durchleuchte und zum Schluss komme, dass, um die
anstehenden weltweiten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu
bewältigen, der Aufbau einer neuen, nichtkapitalistischen, auf Frieden und soziale
Gerechtigkeit ausgerichteten Wirtschaftsordnung unerlässlich ist.
Die Occupy-Bewegung verfolge ich mit grossem Interesse. Ich besuchte im Oktober 2011
eine Vollversammlung auf dem Occupycamp auf dem Lindenhof, nahm im Januar 2012 an
einer Vollversammlung von Occupy St. Gallen teil, bin am 28. April dieses Jahres für eine
Lesung meines Buches ins Occupycamp bei der Roten Fabrik eingeladen worden und am 4.
Mai von Occupy St. Gallen für eine Lesung in die Buchhandlung Comedia in St. Gallen.
Bei allen dieses Begegnungen habe ich zahlreiche wunderbare, engagierte, kritische,
fragende, Menschen kennen gelernt und äusserst spannende, intensive
Auseinandersetzungen mit jenen wesentlichen Zukunftsfragen erlebt, die uns alle, nicht nur
die Menschen, die sich in der Occupybewegung engagieren, beschäftigen müssten, wenn
wir sinnvolle Wege aus den Sackgassen finden wollen, in die wir uns mehr und mehr
verstrickt haben.
Ich appelliere an Sie, dieser hoffnungsvollen, kritischen, vielleicht nicht immer ganz
„pflegeleichten“, aber umso wertvolleren Bewegung Räume zuzugestehen, in denen neue
Wege des Zusammenlebens, der gesellschaftlichen Diskussion und der lebendigen
Auseinandersetzungen mit unserer Zukunft stattfinden können. Es ist, davon bin ich zutiefst
überzeugt, eine wunderbare Chance. Es handelt sich um eine friedliche, gewaltlose
Bewegung, in der zahlreiche Menschen, die sonst isoliert und mit ihren Gedanken und
Gefühlen allein wären, so etwas wie eine geistige und emotionale Heimat gefunden haben,
die ihnen selber sehr viel bedeutet, aber auch für uns alle, die nicht unmittelbar an
sämtlichen ihrer Aktivitäten teilnehmen, überaus wertvolle Impulse und Denkanstösse für die
Gestaltung einer menschlicheren Gesellschaft geben können.
Ich wünschte mir, dass Occupy Zürich entweder bei der Roten Fabrik oder an einem anderen
hierfür geeigneten Ort einen festen Platz bekommt, wo sich die Bewegung entfalten und
weiterentwickeln kann. Eine wirtschaftlich und finanziell so grosse und bedeutende Stadt wie
Zürich sollte es sich leisten können, ja mehr noch: Sie sollte stolz darauf sein, im Sinne eines
„Zukunftslabors“, eines „Denkplatzes für die Zukunft“ einer neuen, sich noch suchenden und
nicht schon fest etablierten gesellschaftlichen Kraft einen sicheren Platz zu gewähren.
Vielleicht können wir alle mehr daraus lernen, als wir uns jetzt noch vorstellen können.
Freundliche Grüsse